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Ebert, Ludwig

Ludwig Ebert wurde am 22. Juni 1867 in Fürth in Bayern geboren. 1885 zog er nach Osthofen, wo er 1891 Philippine Hirsch heiratete, deren Eltern ein Schuhwarenhaus in Osthofen betrieben. Es ist wahrscheinlich, dass die beiden in den Anfangsjahren ihrer Ehe im dazugehörigen Wohnhaus in der Osthofener Hauptstraße 34 lebten, bevor sie später ihr stattliches Wohnhaus in der Schwerdtstraße 13 bezogen. Sie bekamen vier Kinder.

Seit 1886 arbeitete Ludwig Ebert als Prokurist in der von Gustav Rumpel 1872 gebauten „Papier und Pappdeckelfabrik“ im Ziegelhüttenweg 50 (heute 38) in Osthofen. Neben seiner dortigen Tätigkeit als Prokurist war Ludwig Ebert mit seinem Sohn Arthur Inhaber des „Papierwerks Ludwig Ebert & Sohn“ in der Jahnstraße 32 in Osthofen.

Ludwig Ebert war ein engagierter Osthofener Bürger. So war er zeitweise 1. Vorsitzender der AOK, gehörte seit 1925 dem Vorstand der Osthofener Synagoge an, war ortsansässiger Geschäftsmann und als Mitglied der DVP sowie einer Loge politisch engagiert. Die alteingesessene jüdische Familie war den neuen nationalsozialistischen Machthabern ein Dorn im Auge. So hieß es in einem Bericht aus dem Jahre 1937: „Der Jude Ebert verstand es, als er noch in Osthofen wohnte, sich durch geldliche Unterstützung ärmerer Leute Sympathien zu verschaffen. Politisch Angehöriger der Deutschen Volkspartei hat er aber auch die Linksparteien unterstützt, 1933 war er vorübergehend im Konzentrationslager Osthofen inhaftiert.”

Über die Umstände seiner Inhaftierung im KZ Osthofen, das sich genau in der Papierfabrik befand, in der Ludwig Ebert über 40 Jahre lang gearbeitet hatte, ist nichts bekannt. Kurz nach seiner Entlassung verließ er im März 1934 Osthofen und zog in die Kriemhildenstraße 20 in Worms, in ein Haus, in dem weitere jüdische Familien wohnten. Seine Frau Philippine war 1933 verstorben.

Wenige Wochen vor dem Novemberpogrom versuchte Ludwig Ebert in die Schweiz zu fliehen. Am 10. Oktober 1938 wurde er von der Fremdenpolizei im Badischen Bahnhof in Basel aufgegriffen und zurückgewiesen. „Angeblich Kuraufenthalt in der Schweiz“ wurde im Protokoll des Grenzpostens vermerkt. Ludwig Ebert musste nach Deutschland zurückkehren. Am 13. Dezember 1938 meldete er sich von Worms ab und zog nach Frankfurt, von wo er seine Auswanderung betrieb. Sein Papierwerk in Osthofen hatte er bereits vor 1938 erheblich unter Wert verkauft.

Am 5. Mai 1939 verließ er Deutschland und zog nach Amsterdam. Aber auch hier war er nicht sicher: Nach der Kapitulation der niederländischen Regierung im Mai 1940 ergriffen die deutschen Besatzer drakonische Maßnahmen gegen Juden, die sukzessive verschärft wurden. Zwei Jahre später begannen Massendeportationen der jüdischen Bevölkerung in die Vernichtungslager im Osten. 1941 wurde Ludwig Ebert die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Unter welchen schwierigen Umständen er in den Niederlanden gelebt haben muss, lässt sich nur erahnen. Im Frühjahr 1944 wurde er verhaftet und im Durchgangslager Westerbork interniert, von wo aus er am 23. März 1944 nach Ausschwitz deportiert wurde. Dort wurde er drei Tage später, am 26. März 1944, ermordet.

Seine Tochter Martha und ihre Familie wurden ebenfalls in Auschwitz ermordet. Seine drei anderen Kinder überlebten den Holocaust im Ausland.

Heute erinnert ein Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof in Osthofen an Ludwig Ebert.

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